Mannheimer Morgen 11.3.2011 Stadtausgabe Mitte

Lesung im Café Filsbach

BEWEGENDE GESCHICHTE EINES ROMA

An einem Ort Wurzeln schlagen, ein Zuhause finden - danach sehnt sich Yanko, der junge Held aus Anzy Heidrun Holderbachs Roman "Yanko - Die Geschichte eine Roma". Aus diesem Buch und der Fortsetzung "Yanko2 - Baro Mangipe", was "große Leidenschaft" bedeutet, hat die Autorin für ihre Lesung mit Musik im Café Filsbach Textpassagen ausgewählt, die Yankos Suche nach Identität und Heimatgefühl schildern.

Abwechselnd lesen Holderbach und Michael Böhler Textstellen aus den Romanen vor. Immer wieder unterbrechen sie den Lesefluss, um ein Lied auf Romanes, der Sprache der Sinti und Roma, Serbokroatisch oder Griechisch zu spielen. Die Autorin selbst ist keine Angehörige der ethnischen Minderheitengruppe. Sie sei aber schon früh von deren Kultur berührt gewesen und schrieb schon mit 15 Jahren den Beginn ihrer fiktiven Geschichte über den Roma Yanko. In den Büchern beschreibt sie das Leben ihres Helden, der mit Schicksalsschlägen zu kämpfen hat.

Bewegende Familiengeschichte

Die Geschichte seines Volkes spielt eine eher nebensächliche Rolle: Yankos Eltern gehören zum fahrenden Zirkusvolk. Als seine Mutter ihm vom Tod seiner Großeltern im 2. Weltkrieg erzählt, muss Yanko sich mit seiner Familiengeschichte, die stellvertretend für die Geschichte seines Volkes interpretiert werden kann, auseinandersetzen. Auch die Zuhörer werden von Holderbach und Böhler damit konfrontiert. "Sie finden keine Lagerplätze, wenn sie im Sommer auf die Reise gehen", prangert das Lied "Lass maro tschatschepen" aktuelle Zustände an. "Lasst uns unser Recht fordern", lautet die deutsche Übersetzung. Geschrieben hat das Lied Häns`sche Weiß. Er sei der "erste deutsche Zigeuner gewesen, der es gewagt hat, die Situation der Sinti in einem Lied zu verbalisieren", wie es in einer kurzen Erläuterung heißt. hem

 

Starkenburger Echo 8.2.2011

Berührendes Schicksal

Kultur: Anzy Heidrun Holderbach liest im Nieder-Liebersbacher Kleinkunstcafé Mitsch NIEDER-LIEBERSBACH. 

Anrührend war die Lesung mit Musik von Anzy Heidrun Holderbach im Nieder-Liebersbacher Kleinkunstcafé Mitsch. Foto: Karl-Heinz Köppner


Mit einem berührenden Gedicht des Schriftstellers Yanko Weiss-Reinhardt eröffnete Anzy Heidrun Holderbach ihre Lesung am Samstag im Liebersbacher Café Mitsch. In dem gemütlichen Raum war es mucksmäuschenstill. Ergriffen lauschten die Gäste den abwechselnd von Holderbach und Michael Böhler vorgetragenen Passagen aus den Büchern „Yanko - Die Geschichte eines Roma“ und „Yanko - Baro Mangipe“.

„Man kann nicht vergessen, was zu einem gehört oder was nie geheilt ist.“ Tief berührend und emotional stark aufgeladen sind die Texte, die die Zuhörer in das Leben des Roma Yanko entführen, der sich nach dem tragischen Tod seiner Frau auf die Suche nach seinen Wurzeln macht. Sie lassen den Zuhörer die Zerrissenheit eines Mannes spüren, der sich nach Heimat und Beständigkeit sehnt. Sehnsucht gemischt mit bittersüßer Verklärtheit und die verzweifelte Suche nach der eigenen Identität zeichnen das Bild eines Menschen, der durch Schicksalsschläge und Entwicklungen in seinem Leben an seine persönlichen Grenzen gelangt. Er muss sich einer dunklen geschichtlichen Vergangenheit stellen und gelangt schließlich zu der Erkenntnis, dass das wahre Zuhause eines Menschen nur in sich selbst liegt.
Zwar steht Yankos Leben im Fokus der Romane, doch die Texte laden ein zu einer Auseinandersetzung mit der Geschichte, dem Schicksal und der Gegenwart einer ethnischen Minderheit, auf der die Schatten des Dritten Reiches bis heute liegen. Die vorgetragenen Auszüge waren geprägt von starken Bildern und intensiven Gefühlen. Ein Auf und Ab aus tiefer Liebe und Achtsamkeit, Depression, Sehnsucht, Angst und großer Leidenschaft.
Im gut besuchten Café Mitsch erlebten die Gäste eine ebenso ernsthafte wie unterhaltsame Lesung, untermalt mit wunderbar passenden, teils getragenen, teils fröhlichen Liedern. Begleitet von Michael Böhler (Gitarre, Bouzouki und Gesang) sang und spielte Holderbach zwischen den Textpassagen traditionelle Lieder in den Sprachen Romanes, Serbokroatisch und Griechisch.

 

Rhein-Neckar Zeitung 1.10.2010

DAS WAHRE ZUHAUSE EINES MENSCHEN LIEGT NUR IN SICH SELBST

Anzy Heidrun Holderbach las aus ihren beiden Romanen über den Roma "Yanko" und musizierte

 

Hirschberg-Großsachsen. Im "Großsaasemer Wohnzimmer", dem Gasthaus "Zum weißen Lamm" war es am Samstagabend mucksmäuschen still. Die Gäste in dem urgemütlichen Bierhaus in der Breitgasse lauschten ergriffen ihrer fast schon "zum Inverntar gehörenden" Anzy Heidrun Holderbach , die dort ihre "Debut_Lesung" gab mit Auszügen aus ihren beiden Romanen über den Roma "Yanko".

Begleitet von MIchael Böhler an Gitarre und Bouzouki, sang und spielte die begnadete Folkmusikerin auf ihrer Flöte, zwischen den Fextpassagen traditionelle Lieder in den Sprachen Romanes, Serbo-Kroatisch und Griechisch und schaffte mit ihrer "Lesung mit Musik" einen eindrucksvollen Rahmen, der die Welt der Roma dem Zuhörer gleich auf mehrfache Weise zugänglich machte.

Die Geschichte des Roma-Jungen "Yanko", aufgewachsen in einer griechischen Zirkusfamilie, spukte Holderbach schon seit ihrer KIndheit im Kopf herum. Als siebenjährige erlebte (...) sie ein Konzert der beiden legendären Virtuosen des "Zigeunerjazz", Häns'che Weiss und Titi Winterstein. "Ich war schwer beeindruckt!", erzählte sie von diesem musikalischen Schlüsselerlebnis.

Seitdem läuft die Geschichte des Roma Yanko vor ihren Augen ab wie in einem Film. So schrieb sie 2006 den ersten Teil von "Yanko" zunächst als Drehbuch. Drei Jahre später folgte dann der Roman zu dem (noch) unverfilmten manuskript: "Yanko - Die Geschichte eines Roma". Anfang 2010 erschien nun der zweite Band "YankoII - Baro Mangipe", was soviel bedeutet wie "große Leidenschft".

Authentisch und mit großem Einfühlungsvermögen und Tiefgang schildert sie die Geschichte von Yanko, der sich nach dem tragischen Tod seiner geliebten Frau auf die Spuren seiner Herkunft macht. Eine Suche, die ihn in eine dunkle geschichtliche Vergangeheit und bis an seine emotionalen Grenzen führt.

Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu einem Mann und einer Frau muss er sich der Erkenntnis stellen, ein Außenseiter einer ethnischen MInderheit zu sein, mit einer eigenen Sprache, Kuiltur und Identität, die sich in einer Gesellschaft zurechtfinden muss, in der es keinen Raum für ihre Traditionen gibt. Die Suche nach seinem wahren Selbst führt ihn schließlich zu dem Bewusstsein, dass das wahre Zuhause eines Menschen nur in sich selbst liegt.

Literarisch und musikalisch ist die Grasellenbacherin vielseitig. Sie singt und spielt neben ihrer Schriftstellerei in zwei Folkbands ("Brothers&Others und "Greengrass") traditionellen Irish und American Folk. Aber sie singt auch fließend "Romanes", die Sprache der Roma. Sprechen kann sie jedoch nur ganz wenige Wörter. "Da gibt es Hunderte von Dialekten", erklärt sie.

Anders als der Name Anzy es vermuten lässt und obwohl man es ihr sofort abnehmen würde, hat Holderbach selbst keine Roma-Wurzeln - Anzy ist lediglich ein Spitzname, der ihr in der neunten Klasse verpasst wurde, als in Frankreich niemand den Namen Heidrun aussprechen konnte. Gleichwohl drückt sie aber mit ihrem Namen, ihren Geschichten und ihrer Musik ihre tiefe Verbundenheit mit den Roma und ihrer Suche nach der eigenen Identität aus.  -Anja Stepic-

 

 

WEINHEIMER NACHRICHTEN. APRIL 2010. BUCHTIPP:

 

 

 

 

WEINHEIMER NACHRICHTEN. MÄRZ 2009. BUCHTIPP: